Eine besondere Frau

Anke Weber, eine Frau mit besonderen Fähigkeiten, die trotz ihrer Erblindung ein selbstbestimmtes Leben führt

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Im Gespräch mit Anke fragte ich sie, ob sie sich noch an die Zeit erinnern könne, als sie noch sehen konnte.

„Ich erinnere mich noch gut“, sagt sie. „ Damals konnte ich sogar alleine mit dem Fahrrad fahren.“

Eine schleichende Augenerkrankung führte nach zwei, leider erfolglosen, Operationen am Ende doch zu einer kompletten Erblindung. „Nur helle und dunkle Umgebungen kann ich noch erkennen“, sagt sie. “Daher ist mir sehr wichtig, dass auch am Tag bestimmte Bereiche durch Lampen erhellt werden.“

Ich frage Anke, wie sie sich denn in ihrem Zimmer zurechtfindet.

„Wichtig ist für mich, dass jeder Gegenstand seinen festen Platz hat. So kann ich mich an den Möbeln entlangtasten und an meine persönlichen Dinge kommen. Ich habe sogar einen kleinen Kühlschrank.“

Zu Beginn der Erblindung trug Anke eine Mütze mit Schirm. So konnte sie sich vor unerwarteten Hindernissen besser schützen, und vermied Verletzungen im Gesicht.

„Heute benutze ich einen Rollator“, sagt sie. „Ich fühle mich damit noch besser geschützt und kann auch mit dem Körbchen Dinge transportieren.“

Anke kann alleine den Aufzug benutzen und mit dem Rollator in die interne Tagesförderstätte laufen. Unterstützung bietet hier zum einen der an der Wand befindliche Handlauf, zum anderen ihr Abtasten der Wände, um zu erkennen, wann der Weg endet.

In der Tagestätte kennt sie die Tagesabläufe und kann sich gut daran orientieren.

Spiele für blinde Menschen, einfache Puzzles legen und das gemeinsame Kochen, wobei sie Schneidearbeiten verrichtet, kann sie gut bewältigen. Sie übernimmt gerne auch die Aufgabe das Schreddern von alten, nicht mehr benötigten Schriftstücken, die sie im Haus einsammelt.

„Am Nachmittag lege ich gerne noch einige Handtücher zusammen“, bemerkt sie. „ Und auch das Einräumen der Gruppenspülmaschine gelingt mir mit geringer Unterstützung.“

 Anke braucht eine ganz vertraute Umgebung und die Information, wenn sich Dinge verändert haben.

In diesem sicheren Umfeld gelingt es ihr, Lebensfreude zu entwickeln und zu halten. Und es ermöglicht ihr auch neue Aufgaben kennen zu lernen und in ihr Leben zu integrieren.

Ulrike Regenauer-Misera

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