Das neue Wohnhaus in Böhl… mehr als nur ein „Tapetenwechsel“

Seit März dieses Jahres leben die ehemaligen „Dannstädter“ – 17 Menschen mit Behinderung – in  einem herrlichen Neubau. Ein barrierefreies Haus, Einzelzimmer bzw. Apartments mit eigenem Sanitärbereich, Gemeinschaftsflächen und einem Garten!!

Rückblickend ein langer Weg von der ersten Idee – die Bewohner/innen in Dannstadt benötigen bald eine barrierefreies Zuhause – bis zum Einzug in ein Haus, dass alle Voraussetzungen erfüllt, um dort als junger Erwachsener mit Behinderung zu leben, aber ebenso als Senior mit Behinderung, der andere Bedürfnisse an ein Raumprogramm und an die Begleitung und Unterstützung hat.

Im Jahr 2009 waren weder das Wohnhaus Oppau, noch das Wohnhaus Dannstadt, noch der alte Baukörper des Hedy-Erlenkötter-Hauses barrierefrei. Außerdem gab es Doppelzimmer und nur sehr begrenzte gemeinschaftliche Sanitärbereiche. In diesem Jahr 2009 haben wir die ersten Gespräche mit den Kommunen und dem Ministerium geführt und auf die Situation aufmerksam gemacht:  Wir brauchen für die Menschen barrierefreien Wohnraum, Einzelzimmer und eigene Sanitärbereiche. Schon damals keine „weltfremde“ Forderung, denn auch in der Behindertenhilfe war die Zeit nicht stehengeblieben und die festgelegten Normen für Wohnraum von Menschen mit Behinderung waren deutlich nach oben korrigiert worden. Heute werden keine Häuser mehr mit Doppelzimmern und/oder ohne eigenen Sanitärbereichen bebaut. Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen ist eine nahezu selbstverständliche Anforderung geworden.

Und dennoch hat es viele Jahre gebraucht bis wir loslegen konnten. Viele Abstimmungsgespräche mit Kommunen, dem Ministerium, der Beratungs-und Prüfbehörde (ehemals Heimaufsicht), Architekten und natürlich auch denen, die finanzieren. Die Zeiten, in denen es Zuschüsse vom Land und den Kommunen für solche Projekte gab, sind schon längst vorbei. In Zeiten klammer Kassen müssen Anbieter wie die Lebenshilfe andere Wege der Finanzierung gehen. Hier wäre ohne die Stiftung der Lebenshilfe Ludwigshafen als Bauherr vermutlich nichts „gelaufen“.  Aber…. 2015 sind die „Oppauer“ Bewohner/innen in ihr neues Hans-Werner-Kleiber-Haus am gleichen Standort zurückgezogen, nachdem sie ein Jahr lang in Bobenheim „untergeschlupft“ waren. Und nun, zwei Jahre später, tun es die „Dannstädter“ ihnen nach und bewohnen ein Haus, in dem sie alt werden können.

Das Wohnhaus in Böhl ist aber tatsächlich mehr als nur der Umzug in einen Neubau. Mit dem Einzug in das neue Haus wurde auch die Form der Finanzierung im Rahmen der Eingliederungshilfe grundlegend verändert. Bis dato bekam die Lebenshilfe Ludwigshafen (wie alle Anbieter von stationären Wohnhausplätzen) für die Menschen, die in den stationären Wohnhäusern leben, einen sogenannten kalendertäglichen Vergütungssatz. Was für die Bewohner/innen bzw. deren  gesetzliche Betreuer/innen aus organisatorischer Sicht eine komfortable Angelegenheit war. Ein „Rund-um-sorglos Paket“ sozusagen.

In Böhl gibt es diesen Vergütungssatz nicht mehr, sondern dort gibt es nun eine sogenannte ambulante Finanzierung. Das bedeutet, das erforderliche Geld für die Finanzierung der Unterkunft, der Verpflegung und weiterer Lebenshaltungskosten sowie die Mitarbeiter/innen, die die fachgerechte Unterstützung und Begleitung der Bewohner/innen sicherstellen, kommt aus unterschiedlichen „Töpfen“. Jeder Bewohner und jede Bewohnerin ist Mieter mit einem eigenen Mietvertrag. Es wird unterschieden zwischen existenzsichernden Leistungen (Unterkunft, Lebensunterhalt), Pflegeleistungen und sozialer Teilhabe (Eingliederungshilfe). Hier geht es um eine Finanzierung, deren Grundlage der individuelle Unterstützungsbedarf des einzelnen Menschen mit Behinderung ist. Es sind also bis zu drei „Geldgeber“  (Grundsicherungsamt, Pflegekasse und Sozialamt) bei denen Anträge zu stellen sind und die ihrerseits Fragen stellen, überprüfen, mitreden…

Ein Procedere, das für die Menschen ungewohnt und anstrengend war, ebenso für uns als Anbieter des neuen Wohnhauses. Es rollte ein Vielfaches an Fragen und vor allem an Bürokratie und Verwaltungsarbeit auf uns zu. Sicher, es ist vieles neu und ungewohnt, aber auch hier wird sich in der Zukunft Routine und Sicherheit bei allen Beteiligen entwickeln. So war es war nicht nur für die Lebenshilfe eine Herausforderung, sondern auch für die Kommunen war die Umstellung, von einem mit Vergütungssatz finanzierten stationären Wohnhaus in ein ambulantes Wohnhaus, Neuland.

Den aufwendigen Weg dorthin zu beschreiben, will ich dem Leser ersparen. Sicher ist, wir hatten großes „Grummeln im Bauch“ bei dem Gedanken, wie solch ein Umwandlungsprozess vor sich gehen wird. Es war spannend und arbeitsreich und… es war eine wichtige Erfahrung, dass die Zusammenarbeit mit dem Rhein-Pfalz-Kreis und der Stadt Ludwigshafen sich als sehr konstruktiv erwiesen hat und sich immer an den Belangen der Menschen mit Behinderung orientiert hat.

Der Umstellungsprozess ist noch nicht beendet und es wird sicher noch eine Weile dauern, bis wir im positiven Sinne von Routine sprechen können. Dabei ist uns klar, dass wir hier schon zukunftsorientierte Arbeit machen. Das neue Bundesteilhabegesetz wird u.a. genau an dieser Stelle große Veränderungen bringen. Und selbstverständlich werden wir uns darauf gut vorbereiten und den Menschen, die Unterstützungsleistungen brauchen, mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Renate Willuhn

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