Ein großer Umzug – eine große Veränderung

Aus der Sicht einer Mitarbeiterin

Nach langer Planung war es soweit. Am 1.3.2017 zog das Wohnhaus Dannstadt mit allen 17 Bewohnern und dem gesamten Betreuerteam von 13 Personen um. Hier gab es schon die erste Veränderung: jeder Bewohner hatte nun sein eigenes Zimmer, im Gegensatz zu den fünf Doppelzimmern, die es noch in Dannstadt gab. Das Zusammenleben war deshalb dort von einigen Spannungen begleitet, da es nicht genug Rückzugsmöglichkeiten für alle gab. Von daher war die Freude sehr groß bei allen Beteiligten. Im Vorfeld wurde jeder in die Gestaltung der Zimmer natürlich einbezogen. Es wurden Möbel im Möbelhaus Ehrmann ausgesucht; Vorhänge, Teppiche, Bilderrahmen wurden in den Lieblingsfarben in unterschiedlichen Einrichtungshäusern zusammengestellt.

Die nächste größere Veränderung ist die Lage des neuen Wohnhauses. Wohnten die „Dannstädter“ noch in einer Wohnsiedlung in einem Dreifamilienhaus, liegt der Neubau in einer Mischung aus Industriegebiet und Wohngelände. Die Anbindung an die Nachbarn und die nahen Geschäfte wie Bistro und Bäcker ist so erst einmal nicht mehr gegeben und muss neu aufgebaut werden. Es fiel vielen schwer, sich von der „geliebten Heimat“ und den sozialen Kontakten zu trennen. Was auf jeden Fall eine Verbesserung darstellt ist aber die Anbindung an den Nahverkehr. Der Bahnhof ist nur zwei Minuten vom Wohnhaus entfernt. Auch der Penny-Markt ist geradewegs über der Straße zu erreichen.

Da das Wohnhaus sehr viele Auflagen der Prüfungsbehörden erfüllen musste, ist es für uns alle immer noch eine Herausforderung, eine angenehme Wohnatmosphäre und einen familiären Flair zu erzeugen. Dies hatte in Dannstadt auch einige Zeit gedauert. Die barrierefreie Gestaltung des Gebäudes macht es dagegen vor allem seine älteren Bewohner praktischer zu bewohnen.

Eine weitere Veränderung war es, das sich die Bewohner im neuen Haus auf zwei Gruppen verteilen. Im Erdgeschoss wohnen nun neun Personen in Einzelzimmern und im Obergeschoss acht in Apartments, die man noch mit einer Küchenzeile nachrüsten könnte. Dies würde einen höheren Grad an Eigenständigkeit bedeuten. Natürlich folgte daraus auch eine Umstellung seitens des Betreuerteams. Es muss jetzt auf zwei Gruppen Präsenz gezeigt werden, was auch einen veränderten Stellenschlüssel bedeutet. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies leider nur schwer umzusetzen. Die Mitarbeiter sind aber bestrebt, sich bei Engpässen gegenseitig zu unterstützen.

Die größte Veränderung spielte sich hinter den Kulissen ab. Aus einer stationären Einrichtung wurde eine ambulante Wohnform. Im Zuge dessen stellten sich für die gesetzlichen Vertreter viele neue Aufgaben. Beantragungen nicht nur bei dem Träger der Grundsicherung, sondern auch bei Kranken- und Pflegekassen waren nur ein Teil der Aufgaben. Das neue System dieser Wohnform hat zur Folge, dass zu den pädagogischen Mitarbeitern das Team des Pflegedienstes der Lebenshilfe neu dazu stieß. Hier ergaben sich natürlich sehr viele Fragen. Diese wurden seitens der Heimleitung Markus Kercher, Wohnbereichsleiter Jochen Weiler, der Pflegedienstleitung Ramona Badey sowie der Pädagogischen Gesamtleitung Renate Willuhn beantwortet. Auch seitens des Vorstandes der Lebenshilfe, vor allem vertreten durch den Projektverantwortlichen Herrn Robert Müller, bestand jederzeit die Bereitschaft, Rede und Antwort zu stehen.

Unter diesen Prämissen nahm zum 1.3.2017 also auch der Pflegedienst seine Arbeit in unserem Haus auf. Aktuell sind acht Personen in Teil- oder Vollzeit im Haus tätig. Anfangs stellte die große Anzahl an neuem Personal  für einige Bewohner eine Herausforderung dar. Mit viel Engagement und Geduld auf allen Seiten ist es aber gelungen, auch diese Herausforderung zu meistern.

Gewohnte Abläufe haben sich im Zuge der Veränderungen neu orientiert. Es kristallisieren sich Bedarfe der Bewohner genauer heraus, auf die klarer als zuvor eingegangen werden kann. Dabei ist es für alle Beteiligten eine große Aufgabe, eine genaue Aufgabentrennung auszuarbeiten, da die pädagogischen und pflegerischen Aufgaben bei Menschen mit geistigen Behinderungen sehr stark miteinander verflochten sind. Hier gilt es stätig an der Kommunikationsbereitschaft zu arbeiten.

Carmen Schülke, Mitarbeiterin Wohnhaus Böhl

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